Wäre ich halt Hauswart geworden

Der Winter nagt am rauen Osten Berlins. Er scheint ewig verweilen zu wollen, es schneit und schneit, es ist kalt und vor allem grau. Frühling ist nur schwer vorstellbar, dann schon eher der nächste lange, triste Winter in Berlin, der nach dem Sommer wieder kommt. Natürlich funktioniert die Heizung nicht richtig. Der Hauswart war schon da. Er trug eine Jacke, auf die mit goldenem Schriftzug das Wort „Hauswart“ aufgenäht war. Während er mit meinem Schraubenzieher einen Heizkörper sanft entlüftete, erklärte er anderen Mietern ohne funktionierende Heizung übers Handy: „Nein, ich bin nicht der Hausmeister! Ich bin der Hauswart! Richtig. HausWART. Ich fahre von Haus zu Haus, bin aber nicht ausschließlich nur für ein Haus zuständig! Hausmeister und Hauswart sind nicht das gleiche!“

Ich höre mir dieses elendige Geschwätz an und friere mit dieser elendigen Grippe, die mich zur kaum unterdrückten Verärgerung meiner lieben Arbeitgeber flachgelegt hat. Die Ärztin war so nett, mich eine ganze Woche krank zu schreiben. Es lebe Deutschland, es leben die deutschen Ärzte! „Wenn du schon früher wieder gesund bist, dann kommst du auch schon früher wieder, ok? Wir hatten ja eigentlich gehofft, du kommst schon nach dem Wochenende wieder. Du weißt, es gibt momentan viel zu tun.“ Falsch. Es gibt immer verdammt viel zu tun. Vielleicht schlägt ja auch „viel zu tun“ aufs Immunsystem? Vor allem wenn es dafür keine ordentliche Kohle gibt?

Wenigstens hatte der Superhauswart super Laune. „Herr Kennedy, waren sie heute schon draußen? Wenn nicht, müssen sie unbedingt machen! Die Sonne scheint, es liegt eine Menge Schneeeeee, es ist wie Urlaub draußen!“ frohlockte er berlinernd. Natürlich konnte er die Heizung nicht ordentlich in Gang kriegen und die Installateure zwei Tage später auch nicht, jetzt heißt es warten auf einen Kostenvoranschlag, der von der Hausverwaltung und dann vom Hausbesitzer abgesegnet werden muss…ich glaube da wird der Frühling dann doch schneller sein.

Sonntagabend. Meine schöne „freie“ Woche ist samt der Grippe verschwunden. Ich hasse dieses Sonntagabend-Gefühl. Es ist als müsste ich morgen in die Schule. Generation X-Gedanken schleichen sich ein. Warum nicht ein Hippie-Hotel in Mexiko? Besser als dieser Berliner Ostwinter der sich nach Russlandfeldzug, Essensmarken und Weltwirtschaftskrise anfühlt. Winterdepression. Wenn alles glatt läuft, dann geht es im März mal ein verlängertes Wochenende nach Paris. Ach ja. Frühling in Paris.

1 Thought.

  1. Ich kann das momentan absolut nachempfinden- bloody cold! Aber, es gibt Hoffnung: Hier hat das Eiscafe am Eck kürzlich wieder aufgemacht. Die Italiener kommen aus dem warmen Süden zurück- es kann also nicht mehr lange dauern..

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