The Amsterdam Situation

Es ist ein Samstagmorgen und noch viel zu früh. Die Sonne brennt, der Schädel ist dick. Ich stehe auf dem Parkplatz von Robben & Wientjes im Schatten eines Transporters. Timon kommt angeschlendert, ausgeruht und wohlgemut. Zu meinem großen Glück hat er Lust, die Kiste zu fahren. Wir düsen ab nach Amsterdam, nicht ohne einen schnellen Wedding-Schlenker einzubauen. T. hat seinen Ausweis vergessen. Meine Schwester zieht nach Berlin, wir sind die Movers, ich bin nicht in Form.

On the road. Ich lege die Beine hoch und versuche meinen Kater zu beschwichtigen, der sich in meinem überreizten Nervenkostüm räkelt. Da hilft nur viel trinken (A-Schorle/Wasser) und ordentlich reden, viel erzählen, so bleibt man am Steuer und überlässt der fetten Mieze nicht den Platz in der Control-Sonne.

Erster Stopp nahe der Gemeinde „Schiffshebewerk“, die sich um das Schiffshebewerk an der Elbe siedelt. Wir tanken auf dem Autohof. Die Auffahrt zurück auf die Autobahn ist versperrt, und wir irren irgendwie zwischen Autobahn und Schiffshebewerk rum, bis wir die Scheibe runterkurbeln und einen älteren Bürger der Gemeinde Schiffshebwerk fragen, wo zum Henker es zurück auf die Autobahn geht. Der Mann schreit uns an. Wir erschrecken davor ein wenig, bis wir merken, dass er uns Instruktionen in einem breiten Dialekt durchs Fenster schreit – wir verstehen erst Mal nur irgendwas mit Hebewerk. Dann schreit er aber noch ein wenig weiter, bis wir kapieren und weiterfahren in instruierte Richtung. Zum Abschied tätschelt mich der Mann väterlich auf meinen aus dem Fenster schlenkernden Arm. Mir geht es schon wieder besser.

In Amsterdam haben wir eine Wohnung in Nord. Da kann man auch am Konigsdag gut parken, das macht Sinn. Denn die Stadt ist verstopft mit feierndem Volke, wir haben den Umzug genau auf das Wochenende mit Festerei zu Ehren des Hollandkönigs gesetzt. Wir nehmen den Trubel – dank Timon – mit gelassener Neugierde auf und marschieren frohgemut erst mal zur Fähre, die uns ins Zentrum übersetzen soll. Am Hafen wird schon gefeiert und die Fähre fährt uns vor der Nase weg, was wir dankbar mit einem schnellen Bierchen quittieren. Wir legen mit der nächsten Fähre bei Centraal an und latschen mit offenen Sensoren in Richtung Treffpunkt mit unserer Übernachtungsgastgeberin Florentine, unterwegs verhaften wir noch jeweils eine Dose 0,5 l Heineken.

mürermanDer Treffpunkt ist in einem Park, dort tanzen junge Amsterdam-Bürger zu Minimal-Techno. Ich versuche mich irgendwie mit Florentine zusammenzutelefonieren, der Park ist gerammelt voll und wir waten durch Müll. Sie sagt mir am Telefon, sie würde winken – und tatsächlich sehe ich ein wunderschönes Mädchen, das über der Kopfmenge steht und mir freudig zuwinkt. Wir denken „wie wunderbar!“ und quälen uns zu ihr durch die Menge. Endlich angekommen, ich will ich sie gerade freudig grüßen, sie strahlt mich ja so an, umarmt sie im letzten Moment einen Typen, der direkt vor mir watete. Das ist ja gar nicht Florentine.

Die Party ist aus, die Leute verlassen den Park und wir finden schließlich die echte Florentine. Sie begrüßt uns, stellt uns ihre Freunde vor, gibt mir die Schlüssel und fragt, ob wir mit ihnen noch weiterziehen wollen. Wir haben nichts besseres vor, Susie kommt erst am nächsten Morgen aus München eingeflogen, Paula ist zwar in Amsterdam aber in irgendeinem Club –also sagen wir ja und hängen uns an.

floÜberall liegt Müll auf den Straßen, darunter viel herrenloser Flohmarktkram, mit dessen Verkauf die Amsterdamer an diesem Morgen die Fortsetzung der Festivitäten des Konigsdag eingeläutet hatten. Wir kleiden uns ein, Timon findet eine orangene Federboa und ein Riesenpuzzelteil, das er sich geschickt anbindet; ich freue mich über eine orangene Bondscoach-Regenjacke, die ich mir samt Kleiderbügel umhänge: Wir sind gerüstet, we’re blending in.

Gemeinsam mit Florentine und ihren Freunden strolchen wir durch die Straßen und über Krachten, unsere Gastgeber sind schon/noch ziemlich voll und angenehm verquer. Dann verliert Florentine ihr niegelnagelneues Smartphone und ist für die nächste Stunde missgelaunt. firingupWir pausieren und essen Pizza, merken, dass wir alle sehr müde sind. Nichts destotrotz holen wir uns später noch Bierchen aus Dosen und stehen auf einer Brücke über einer Kracht und unterhalten uns wunderbar. Wir finden ein neues Telefon für Florentine, wenn auch ein etwas älteres Modell. Der Abend entwickelt eine sonderbar schöne Flowdynamik und endet auf einer Privatparty irgendwo, wer weiß schon wo. Wir jedenfalls nicht. Frühmorgens ziehen wir mit der Fähre gen Gästebett.

Morgens schwieriger Abstieg auf enger Stiege von unterm Dach bis auf die Straße mit Susies Sachen. Es regnet. Susie kommt und wir fahren nach Hause. In Berlin warten Sonne und gute Freunde, die helfen beim Hochschleppen. Ich parke den Van und gehe nach Hause, falle todmüde ins Bett.

Meine Schwester ist jetzt meine Nachbarin. Das ist schön.

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