Von Racheengeln, Waldpropheten und Entschleunigungs-Aposteln

Freitagabend in Paris, ich liege auf dem lila Sofa und lausche dem Ziehharmonikanisten in der Wohnung über uns. Dabei denke ich übers Theater nach. Ich gehe meistens dann ins Theater, wenn meine ältere Schwester ein neues Stück aufführt, oder mir eines aus der Ferne empfiehlt. Mir ihr habe auch vor einigen Jahren ein Stück von Christoph Marthaler in Zürich gesehen, das mir in Sachen „Wiederentdeckung der Langsamkeit“ damals ein Licht aufgehen ließ (Eine Empfehlung an alle Entschleunigungs-Apostel: Bei Marthaler lungern die Akteure auf der Bühne rum, rauchen und machen Musik, auch wenn sie eigentlich gerade nicht sprechen müssen, kommentieren sie die Handlung usw.). Jedenfalls schickte mich meine Schwester vor ein paar Tagen in ein Stück des Holländer Johan Simons, mit dem sie 2004 an den Münchner Kammerspielen für die Aufführung seiner Zehn Gebote zusammengearbeitet hatte, und der zur Zeit mit seiner Truppe in Frankreich gastiert. Continue reading