Three Songs that will never die

Wenn sich die Zeiten schlagartig ändern und man gar nicht mehr zum Durchatmen kommt, dann hilft Musik. Also, gute Musik. Als C. mit Maxime schwanger war, hörte ich Konstantins Prologue von seiner neuen Platte rauf und runter und aus Ungewissheit wurde Vorfreude oder besser Vorliebe. Als mir das Baby dann Monate später den Schlaf räuberte, kam ich eine Zeit lang nur noch mit Bruce Springsteens Album Born in the USA durch den Tag. Das muss man sich mal vorstellen. Der Soundtrack zum Alltag, um ihn zu ertragen vs. der Soundtrack zur Veränderung, wenn Gewohntes wegbricht und Neues entsteht.

An dieser Stelle also drei Songs, die mich in letzter Zeit sehr beschäftigt haben, die quasi meine Tage untermalten. Das ist jetzt vielleicht eher dokumentarisch. Aber überlegt mal, in 25 Jahren.

Courtney Barnett — „Avant Gardener“
Ein Song, der daran erinnert, alle sieben endlich mal wieder gerade sein zu lassen, verdammt noch mal. Lass doch die Perfektionisten ihr Ding machen, die können das viel besser, verpassen aber dadurch so einiges.

elbow — „Fly Boy blue / Lunette“
elbow ist einer dieser Bands, bei der ich nur jeden 35. Song gut finde. Jetzt war es mal wieder soweit. Für mich geht es im Song um Erdung und Empathie. Gut aufgehoben zu sein bei Famile und Freunden trotz mancher Kante, man ist halt so wie man ist, verdammt noch mal. England, I miss you.

Future Islands — „Seasons (Waiting on You)“
„Bass lines that never die“ schreibt npr über die neue Platte von Future Islands (Singles). Ich habe die Band jetzt schon eine ganze Weile gehypt, finde allerdings nicht jeden Song auf dem Album gut. Aber mit „Seasons“ hier weiß ich wieder, dass ich diese Band auch in 25 Jahren noch lieben werde. Vielleicht hat die dann mein Sohnemann auf dem Ohr, wenn sein Leben sich irgendwann stark verändert? Seasons change, verdammt noch mal. Spring is here.

Elternzeit, Baby! (Tag 29)

Zurück in B. Tödlich lange Zugfahrt überstanden dank konsequentem Zwieback-Einsatz. Maxime wird am Freitag 1. Kaum zu glauben, die Zeit und ihr Hasten. He’s a big boy now. Well, almost. Gestern haben wir den Vertrag mit dem Kinderladen unterschrieben. Alles unter Dach und Fach: Ab 10. März geht’s in die Kita, baby!

Sabrina kommt zum Babysitten, Kennedy mit C., Verena und Marc zum Future Islands Gig im C-Club. Endlich die Jungs mal gesehen. C. und ich wollten schon vor Jahren zum Konzert, damals im Schokoladen. Wir waren spät dran, der Laden bereits gerammelt voll, kein Reinkommen mehr. Der  C-Club ist heute Abend auch complet, es spielen noch zwei Vorbands. Ein Franzose, der mit Hall und Gitarre irgendwas ins Mikro säuselt, dann eine unausgereifte Berliner Rockband, die ihre Erzeugnisse aus dem Proberaum schlecht abgemischt über die Boxen scheuchen. Einzig der Bassist gefällt mir, der macht keine Gefangenen.

Future Islands aus Baltimore bringen Ende März  ihr drittes Album „Singles“ raus und spielen auf der Februar-Tour zum ersten Mal vor 1000 Leuten. Wahnsinnskonzert. Frontmann Samuel T. Herring in seinen engen Jeans, T-Shirt reingestopft: eine 90er Jahre Sexbombe. Der Sound stimmt jetzt, Herring tobt mit seiner Röhrstimme und kniet sich rein. Er starrt ins Publikum, singt uns direkt an, will was rüberbringen. Es gelingt. Ein USA-Indie-Rock-Superhero.

Bescheiden im Kontrast dazu stehen links von ihm Gerrit Welmers (Keys, Organ, Synth.), rechts Bassist William Cashion, hinten dran sitzt live drummer Denny Bowen. Eine Klasseband, ein extrem cooler Auftritt. Cashion am Bass: groß. Er knattert uns die Achtziger 32stel in den Bauch, ist bei allen Stücken das Rückrad. So steht er auf der Bühne: ruhig, gelassen. Bläst unpretentiously das Megabrett raus. Der beste Bassist, den ich derzeit kenne. Und schon jetzt wohl das beste Konzert 2014, ich weiß nicht, wer das noch toppen soll. Mal schauen was das Maifeld Derby bringt. Aber das spielen Future Islands ja auch. Something to look forward to.
FuFuture Islands im C-Club