Just go back home to where you came from

Last week I took the underground at Wittenbergplatz on my way home after work. I sat down opposite to a young Arab guy who was taking a lot of space on his bench showing off his manliness. Next to me sat a girl with a head scarf crying silently. It looked like they had been fighting. The guy stood up and leaned over her and spoke in Arab with a loud and agitated voice. It wasn’t pleasant, he was obviously a macho and she was suffering.

Then another guy, a German workman, suddenly stood up and offered the girl a handkerchief. The Arab guy confronted him and told him to mind his own business. The German answered by shouting into his face: “Just go back home to where you came from. Just go home, we don’t want you here”. Then it looked like they were going to fight and I was getting ready to step in and tell them to cool it. But after having exchanged a lot of menacing gestures and mimics and go-home-we-don’t-want-you-heres, the Arab guy turned away and the workman sat down satisfied and continued reading his tabloid.

I left the U-Bahn angry and frustrated. I had been sitting there watching the situation without intervening. But then I didn’t want to get into a fight. I wished I had told the workman he was a bloody rotten Nazi before I got off the train though. The guy hadn’t even known what the real situation between the girl and the Arab guy had been. He just assumed the Arab was threatening her or treating her badly by watching his behavior.

What to do with this frustration? Well, write about it. And from now on directly confront racism whenever I come across it. And let me assure you – it’s everywhere these days. Even at work, in a fairly liberal and modern surrounding, I have to deal with folks who I know are deeply xenophobic. I think that today, the small-time Nazis feel that it’s alright again to express their views publicly. They think that all Germans (except stupid “Gutmenschen” like me) think alike.

Let’s  stand up and confront them. Everywhere. Always.

Berlina Jeschichtn II

Werktag. Ich trete aus dem Haus, da schwirrt mir schon ein Hubschrauber über den Kopf. Die schwarze Blockierung samt Polizeibodenaufgebot tummelt sich Ecke Lausitzer. Ich fahre schnell vorbei, dann am Kanal entlang. Dort brennt ein Reifenstapel. Es näselt soft Neill Young aus der Box, ich wechsele geschwind zu Nirvana.

Montagmorgen. Ich betrete den Terminort. Es steht ein Geruch im Raum, das Erinnerungskino spult ab: Bei Oma im Esszimmer dampft vor dem Bratenhauptgang die Klöschensuppe in der Festtagsterrine. Der 80ies Film passt nicht zur kargen Projektbesprechungskost, macht sie aber leckerer.

Geburtstagsvorabend. Wir sitzen auf der Mutter-Kind-Station und lauschen den gestressten Herztönen des Jungsporns. Irgendwo schreien gebärende Frauen so, als würde man ihnen Arme und/oder Beine absägen. Keine PDA, sagt die Schwester und schüttelt den Kopf.

Nachmittag. Ich spaziere mit dem Baby im Wagen durch den Park und dann entlang der Liegnitzer nach Hause. Eilschrittspazieren, denn das Baby tönt in Kreissägenfrequenz. Ich marschiere stramm am Eckspäti vorbei, an dessen Schaufenster steht, das Trinken vor dem Laden ist verboten. Die Alkis aus dem Kiez stehen da und saufen. Ich weiß, das Baby-Geschrei wird von einem Witzbold kommentiert werden, da kommt auch schon die Breitseite: „Ey, voll das Tiegerbaby!“ Nagel auf den Kopf. Das ist keine Kreissäge sondern Tiegerbabybrüllen. Schlechtgelaunt rollen wir nach Hause.

Samstag. Auf der Revaler spielen Teenies in schwarzer Kluft Fangi (Barlaufen, Abklatschen, Ticken, Packen, Hasche, Abschlagen, Klatschen, Fangemanndel, Fangis, Fängi, Fango, Fangsdi, Fangus, Fangsdl, Fangerles, Fängerles, Fangerlos, Greifen, Wupp, Einkriegezeck, Zeck und Kriegen) mit der Polizei. Der Friedrichshain brodelt noch, ein besetztes Haus wurde vor zwei Tagen geräumt. Ein Mann sitzt auf der Bierbank vor seinem Bier und nörgelt die vorbeihuschenden Kids an: „Spielt ihr die Räumung der Liegnitzer 14 nach oder was?“

Sonntag. Ich stürze aus der Bar und haste die Donaustraße entlang, obwohl sie mir noch hinterher ruft, ich solle gefälligst zurückkommen, wo ich denn hinwolle. Aber wenigstens habe ich meinen Pulli wieder, den sie einfach übergezogen hatte, bevor sie sich  überpsychotisch auf eine bizarre Flirtattacke vor mir aufbaute. Nun laufe ich so schnell es mein alkoholdurchwalktes Spatzenhirn noch zu koordinieren mag, weiß aber nicht mehr wohin – ich will einfach nach Hause und wohne ja quasi ums Eck – aber wo ist das. Ich winke also dem nahenden Taxi und sage einmal Kurzstrecke bitte. Der Taximann sagt, dafür reicht die Kurzstrecke nicht. Ich weiß: er lügt. Er weiß: der kann nix mehr sagen. Ich lege mich geschlagen ins Taxi und lasse mich zu einem abenteuerlichen Preis nach Hause kutschieren. Am morgen ist der Geldbeutel leer.

Frühmorgens wirft mir am Berliner Hbf gegen 5h54 eine Frau einen Stein seitlich gegen das Brillengestell und zeigt mir schimpfend den Mittelfinger. Ich bin sauer, denke aber Arme Frau. Wieder schläfrig, schlurfe ich einmal um die Riesenetage. Plötzlich steht sie erneut vor mir, ich hab nicht aufgepasst, und kreischt: „Miroslav! Du hast es wohl immer noch nicht kapiert?“ Fluchend eile ich davon. Der Zugführer kommt 1h zu spät, im SZ Magazin schreiben Yuppies wohlgefällig lauwarmen Leberkäse über das Leben. Dann kriechen wir nach Südkreuz gen Hochwasser. Auf Wiedersehen.

 

Berlina Jeschichtn I

Nach dem Besuch bei der Liebsten

Es ist ein warmer, sonniger Tag. Ich steige die Treppen des Krankenhauses hinab, gehe auf dem kleinen Fußweg vorbei an den Rettungshelfern, sie rauchen im Schatten ihrer Fahrzeuge. Zum Tor hinaus, über die heiße Strasse in den Friedhof, der dem Krankenhaus gegenüber liegt. Ein Bestattungsunternehmen wirbt gut sichtbar an der Mauer für seine Dienste. Der Friedhof liegt am Hang, eine willkommene Abkürzung.

Alte, große Bäume spenden kühlen Schatten: Eichen, Kastanien und Buchen in letzter Blüte überspannen die Gräber, das Gras ist mittelhoch, es duftet, lebt. Ich gehe langsam den Weg hinab. Familien, ältere Menschen sitzen auf den Bänken wie in einem schönen Garten.

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Berlin – Steinerne, bleierne Stadt

kurtComics und Graphic Novels sind jetzt auch in Deutschland im Kommen. In Amerika und Frankreich ist diese Kunstform längst voll akzeptierter Teil des Kulturbetriebs. Hierzulande dachte man lange – Comics? Asterix, Donald Duck und Micky Maus und Co. – sind doch für Kinder. Der Einzug anspruchsvoller Comics in die Feuilletons und Kunstmagazine ist Werken wie zum Beispiel Jason Lutes Graphic Novel BERLIN zu verdanken. Bei Carlsen sind bereits 2006 und 2008 Lutes ersten beiden Bände seiner Triologie BERLIN erschienen, der Dritte wird laut Verlag erst in etwa drei Jahren fertig sein. Es geht also mal wieder weniger um Aktualität bei Kennedy Calling sondern um N a c h h a l t i g k e i t. Wen das Wort Nachhaltigkeit auch so spitz macht, der lese nun bitte weiter. Continue reading