Shrinking Cities

Ich war vor ein paar Jahren gelegentlich in Halle an der Saale, um dort Christopher Eric Knoll zu besuchen.  Er studierte damals noch an der Uni und wohnte in Halle Altstadt, das seit dem Mauerfall zum Teil sehr schön renoviert wurde und wo es ein paar nette Kneipen und Restaurants etc. gab.

Eines Morgens haben wir auch Halle Neustadt besucht – und ich erinnere mich, dass es sehr seltsam war dort zwischen den Hochhäuserfluchten zu spazieren. Ich hatte da gleich dieses unangenehme Gefühl, nicht sicher zu sein. Unangenehm nicht nur wegen der eigentlich verspürten Unsicherheit, sondern auch wegen dem Verlust der Gewissheit ein unvoreingenommener, weltoffener Gast zu sein, der nicht mit klammheimlicher Angst, sondern offenen, interessierten Auges über den Erdball schreitet. Aber die Armut und Hoffnungslosigkeit, die man in diesem Stadtteil aus Beton mit der Luft einsaugen konnte, belehrten mich Westler eines Besseren.

Dieses Gefühl hatte ich ein paar Jahre danach in den Pariser Banlieues wieder. Und wenn man das mal erlebt hat, dann merkt man schon, dass Städte wie Freiburg, Heidelberg und Tübingen in ihrer Schönheit und Selbstzufriedenheit im Gegensatz zu Halle Neustadt oder Paris / Aubervilliers im Grunde genommen wie Disneyland sind.

Wir waren damals in Halle und Leipzig in der sehr interessanten Ausstellung des Projekts Shrinking Cities, welche einerseits den Bevölkerungsschwund in den Regionen von Detroit (USA), Manchester/Liverpool (England), Ivanovo (Russland), und auch Halle/Leipzig Ende des 20. Jahrhunderts dokumentierte und andererseits auch kulturelle Lösungsvisionen von Architekten, Bürgeninitiativen und Künstlern präsentierte:

www.shrinkingcities.com

In der Zeit ist jetzt ein interessanter Artikel über die aktuelle Situation der Stadt Halle und deren Umgang mit dem Bevölkerungsschwund erschienen: www.zeit.de/wirtschaft/2010-11/halle-saale-stadtumbau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.