Quebec

Bei unserer Ankunft in Montreal ist es grau, die Wolkendecke haengt tief. Die Stimmung ist seltsam, wir haben den Eindruck in einer verlorenen Pioniersstadt gestrandet zu sein. Bei ersten Erkundungsgaengen sieht man die verschiedenen kulturellen Einfluesse, die diese Stadt praegen. Die alte franzoesische Kolonialstadt, die Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Rest der Kolonie an die Englaender verloren ging. Die vielen Malls und Fast-Food-Ketten, die Wolkenkratzer in Downtown praegen Montreal amerikanisch. Dazwischen immer wieder alt-ehrwuerdige englische Imperialbauten. Die Menschen, die wir treffen, sind durchweg freundlich und entspannt, sprechen franzoesisch und sehr gutes American English. Wir schlendern durch das Punk-Viertel mit Tattoo-Shops und spannenden Bars, die in ihrem Eigensinn an Berlin erinnern. Die Stadt pulsiert mit bizarren Festivals und Feuerwerken, die Strasse atmet Lebensfreude.

Nachts in der Jugendherberge traueme ich bei geoeffnetem Fenster von unzaehligen Amerikanern, die laut quaekend  unter unserem Fenster vorbeilaufen und versuchen, die Misere zu erklären, ihr Sinn zu geben. Mit einem Selbsbewusstsein, das in ihrer Not an Irrsinn grenzt.

quebecAuf dem Weg in den Norden Quebecs, entlang des St. Lorenz-Stroms halten wir in Malbaie, einem entlegenen Staedtchen am Higway, und trinken Cafe im „Chez Irene“. Der Besitzer und einzige Angestellte in seinem Betrieb fixiert uns interessiert mit seinen listig-freundlichen Augen. Ein Zeitungsartikel an der Wand erklärt, dass er dieses Cafe seit 15 Jahren fuehrt. In dieser Zeit hat er einmal zwei Wochen Urlaub genommen, ansonsten jeden Tag gearbeitet. Photos zeigen ihn Stolz mit einem Pferd. Ob das Irene ist?

Quebec-City liegt majestaetisch am Hang des nun breiten St.Lorenz-Stroms. Eine hochgelegene Promenade bietet eine hochromantische Sicht auf den Fluss, das alte Schloss erninnert an die Gebrueder-Grimm und dient nun als Hotel. Abertausende Touristen stroemen durch die Stadt, wir fluechten weiter gen Norden.

Bei Taldoussac besteigen wir ein ruestiges Schlauchboot und machen uns auf die Suche nach Walen, die sich in der grossen Meeresbucht den Speck fuer den Winter anfressen. Wir sind begeistert, als wir an diesem sonnigen Tag die erste Walflosse sehen, der Skipper heizt mit dem Boot bis auf 30 Meter an den Wal und dreht dann bei, damit wir Fotos machen koennen (die anderen koennen, wir nicht – Batterie leer). Nach einigen solchen Manoevern faellt auf, dass die Wale scheu sind und sich nur ungern begaffen lassen. Minutenlang tauchen sie ab und holen sich ein paar hunder Meter weiter wieder Sauerstoff. An diesem Tag werden sie von vielen Schlauchbooten durch die Bucht gejagt. Man kommt sich wie eine Schmeissfliege vor, die einen immer wieder belaestigt. Wir sind froh bald wieder an Land zu sein.

Sturm zieht durchs Land. Wir steuern auf dem wettersproeden Highway durch prasselnden Regen gen Ontario.

Share/Bookmark

2 Thoughts.

  1. Hallo Patrick,

    tolle Erlebnisse, die einen durch deine Erzählungen mit dabei sein lassen.

    Vielen Dank

    Grüße aus dem verregneten Tuttlingen

    Elke Hassanzadeh

  2. Danke Elke, freut mich, dass du hier liest.

    Mir fällt gerade auf, dass ich wie in der Grundschule erklären immer noch mit „h“ schreibe. Mir wird schwindelig, wenn ich daran denke, wieviele Schreibfehler sich hier noch so tümmeln könnten. Ich bräuchte einen Korrektor. Wer hat Interesse? Zahle bar oder Bier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.