Elternzeit, Baby! (Tag 33)

Wie ein erster Frühlingstag, strahlende Sonne, kaiserblauer Himmel über Berlin, Stadt an der Spree. Maxime KO von seiner ersten Kindergeburtstagsfeier. Tante Susie kommt zu Besuch und sieht ihn nörgeln und heulen. (An dieses „Tante“ und „Onkel“ müssen wir uns noch gewöhnen, das klingt doch irgendwie komisch.) Susie wischt auf Facebook von oben nach unten und liest von irgend einem Jungvater vor, der sich darüber beklagt, so viele Eltern würden sich in ihren Elternblogs darüber beklagen, wie schwer das Leben doch mit dem Baby sei, und wie sehr sie leiden würden. Und wie ihm dann auffällt, dass er sich in Gesprächen mit Freunden und Bekannten scheint’s genauso die ganze Zeit beklagt, dabei wäre das doch Schönste auf der Welt mit dem Nachwuchs.

Nun, ich möchte an dieser Stelle in das Klagelied der leidenden, bloggenden Eltern nicht einsteigen, erzähle indes ersatzweise lieber eine Anekdote:

An einem Sonntagabend öffnet C. den Speiseschrank und erschrickt: Ein leerer Babymilchkarton starrt sie an. Das Baby weint auf dem Arm, es hat Hunger. C. ist sauer auf Vater P: Wie er nur auf die Idee komme, einen leeren Karton wieder in den Schrank zu stellen? Wie denn jetzt bitte das obligatorische Abendfläschchen in den Nachwuchs einflößen? Ich schnappe mir also die Jacke vom Haken und eile hinab auf die Straße zum Späti hin. Der Spätimann sagt: „Babymilch? Hammwa nich.“ Gut, dass ich den Autoschlüssel dabei und die Notapotheke vorab Not-recherchiert  habe. Ich brettere also auf die Sonnenallee und der Not-Apotheker dort sagt: „Babymilch? Hammwa nich. Hauptbahnhof gibt’s Kaisers und Rossmann, die haben 24/7 offen.“ Ich will C. anrufen und ihr sagen, dass ich noch zum Hbf brettern will, erschrecke aber, denn: Handy zuhause liegen lassen. Ich brettere trotzdem in Richtung HbF, am Hallenschen Tor springt die Ampel auf rot, ich lasse es darauf aufkommen, brettere durch und werde dabei geblitzt. Fluchend brettere ich nicht mehr ganz so schnell durch den Tunnel ins Hbf-Underground-Parkhaus und hole die verdammte Milch. Auf dem Rückweg sehe ich noch einen Unfall, Leute, die besser auf’m Sofa Tatort geschaut hätten, stehen betröpfelt im Winterregen. 45 Minuten nach Durcheilen der Haustüre stehe ich wieder vor derselbigen, erschrecke aber, denn: Schlüssel zuhause liegen lassen. Ich klingele also so kurz angebunden wie es geht und wecke dadurch das Baby auf, das inzwischen auch ohne Fläschchen eingeschlafen war. C. hatte noch versucht mich anzurufen, um mir zu sagen, die Milchsache sei nicht mehr so eilig.

Ein paar Wochen später schreibt die Behörde: 120 EUR und ein paar Punkte in Flensburg.
Und die Moral von der Geschicht’? Jungelternteil: Klage nicht. Brettere nicht.

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