Elternzeit, Baby! (Tag 2)

Das sieht man ja selten, dass Männer mit Kindern..

höre ich die alte Frau im Vorbeistapfen sagen. Aus den Augenwinkeln unscharf betrachtet, hängt sie dabei irgendwie am rechten Arm ihres Mannes, der sie also ein wenig durch den Schnee zu schleifen scheint. Beide gemeinsam mustern mich dabei interessiert, ich kann’s fühlen. Ich schaue runter zu Maxime, ob er schon schläft, der lugt aber weiterhin unverwandt durch seine Mütze nach rechts auf die wechselnden Häuserwände. Vor den Neukölln-Arkaden betrachten uns noch einige weitere Menschen; Türk/innen und old-school-Neuköllner deutscher Herkunft. Dabei sind wir erst zwei Meter aus unserem Kiez raus, wo wir sonst kaum weiter auffallen. Dafür müssten wir uns schon irrfarbige Narrenkappen aufziehen oder so.

Maximes Wollmütze ist hellblau, die hat meine Oma vor x Jahren für mich gestrickt, jetzt trägt er sie. Ist aber nicht so eine goldene Armbanduhrgeschichte wie bei Pulp Fiction.

Auf dem Weg zurück schläft der Kleine tief und fest. Ich freue mich, wenn er so schön pennen kann. Das war nicht immer so. Außerdem weiß ich so, dass es ihm warm genug ist in seinem etwas überdimensionierten Skianzug. Am Kanal schwenkt ein älteres Ehepaar vor uns in eine Hauseinfahrt. Sie rüstig schwatzend und festen Schrittes vorweg, er dappert mit gesenktem Kopf und müden Beinen hinterher. Was ist los mit diesen älteren Männern, die ab Mitte fünfzig alle Lebenslust verlieren und einfach nur noch ihren Frauen hinterher dappern? Nach Hause, Glotze an, Bier, keine Freunde mehr. Nichts mehr wissen wollen. Note to self: mal lieber nicht selber so werden irgendwann.

Zuhause bringe ich Maxime bei, wie er die kleine Schwelle vom Bad in den Flur hinabsteigen kann. Ich konzentriere mich dabei auf seine Angst, die er dann auch ablegt. Wir rufen stolz Catherine – aber sie sagt, naja vorwärts ist ja nicht so gut. Von wegen Treppen und so. Stimmt. Also das ganze andersrum. Das Baby schaut mich sehr erstaunt an.

Sonstige neue Errungenschaften: Wenn man „bravo!“ sagt, klatscht Maxime in die Hände und strahlt.

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