Downtown Toronto – Streets Without Soul

Das Zentrum von Toronto ist seltsam leer. Scheinbar arbeiten alle Einwohner gerade irgendwo hinter den Glasfassaden der Tuerme. „If one wants to understand a city, one must first look to the street,“ schreibt Alana Young im kanadischen Kulturmagazin on site. Die Strassen hier sind fuer Autos gemacht, quadratisch angeordnet, uniform. Auf Erdgeschossebene gibt es ein paar schicke Restaurants, Banken und Einfahrten in Parkhaeuser.

Toronto ist eine multikulturelle Stadt. Ihre guenstige Lage an den Great Lakes nutzten bereits die indianischen Ureinwohner als Handelsumschlagsplatz. Auch Englaender und Franzosen machten in der Kolonialzeit praechtige Geschaefte durch Pelzhandel, und Toronto wurde nach und nach zur Businessmetropole Kanadas. Millionen von Immigranten zog es in Schueben in diese Stadt, es gibt Chinatown und Little Italy, auf engstem Raum leben hunderte von Menschen mit Urspruengen aus aller Welt.

In Downtown Toronto ist von dieser Vielfalt nichts zu spueren. Selbst das Strassenfestival „Just for Laughs / Juste pour rire“, das wir schon in Montreal erlebt hatten, ist hier nur ein fader, komerzieller Abklatsch des lebenslustigen Feierns der Montrealianer. Vergleicht man die Strassen beider Staedte auf denen das Festival ausgerichtet wurde, versteht man das „seelenlose“ Feiern Torontos. In Montreal fand es auf dem Boulevard St.-Laurent im Quartier Latin statt. Dort gibt es schoene Bars mit grossen Hofterassen, schoene Haueser in denen Menschen nicht nur arbeiten sondern auch leben. Aus einem Metropolenfest wird so ein Fest mit nachbarschaftlichem Charakter. In Toronto feierte man in Young Street, der Hauptader der City. Diese zeichnet sich vor allem durch die gaengigen multinationalen Geschaeftsketten aus und dient ausschliesslich zum „Shoppen“. Torontos Zentrum ist ein standardisierter, unifomisierter urbaner Raum, verloren geht die schoene Lage am Lake Ontario (Das Ufer wird vom Express-Highway abgegrenzt).toronto

Man muss schon in den Norden nach Chinatown, Little Italy oder in die Kensington Street marschieren, um ein bisschen Multikulti-Luft schnuppern zu koennen. Kensington Street ist Punk-Bohemian-Land. Hier findet an jedem letzten Sonntag im Monat ein Strassenfest statt, das die Anwohner selbst organiseren. Bluesbands spielen abends ihre Weisen, Turner fuehren ihre Kunststuecke am Hochseil vor, man hat fuer die Kinder Labyrinthe auf die Strassen gekreidet. Nicht die Stadtplaner (die in Downtown Toronto offensichtlich vor allem der Autoindustrie und den Bankenriesen zu Diensten waren), sondern die Anwohner dieser Viertel geben solchen Strassen Bedeutung, Leben.

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