Diese Frau hat hier und heute was zu sagen

Maike Rosa Vogel im Maxim Gorki Studio BerlinVorgestern Abend: Release-Konzert von Maike Rosa Vogels neuem Album „Fünf Minuten“ im Studio des Maxim Gorki Theaters in Berlin. Es war gut. Einige von Maikes neuen Songs sitzen. Sie ist mit ihrem neuen Album jetzt am Punkt. Voll da.

Maike hat Songs gesungen, von denen einige so direkt, ehrlich, leidenschaftlich und oft wütend rüberkommen, dass jeder im Saal von Anfang an wusste, okay, diese Frau hat hier und heute was zu sagen. Viele Leute waren da, die Stimmung war gut. Christian Vinne (Percussions, u. a. Drummer bei Wallis Bird), Leander Haußmann (Mundharmonika), Sven Regener (Trompete) und andere begleiteten Maike bei einigen Songs, sie machten einen soliden Job. Die geladenen Gäste waren angenehme Zeitgenossen, der Abend kurzweilig und schön.

Man hat gemerkt: Maike hat über die letzten Jahre noch mal richtig Selbstvertrauen getankt, ihre Community und ihre Stimme gefunden, wohl einige Untiefen gemeistert, sich durchgekämpft, und jetzt bietet sie mit „Fünf Minuten“ eine Menge gesammelter Erfahrung und frischen Mut. Wenn sie dann von fünf Minuten Glück singt, die sie sich von niemandem nehmen lässt, und die sie uns allen gern zugesteht, dann tut sie das als bekennender Hippie. Für Maike bedeutet ein gutes Leben: Liebe und Familie – und das reicht. Warum auch nicht? Ein ganz starker Song heißt „So Leute wie ich“. Hier singt sie, dass sie keine Hartz IV-Bezieher kennt, die irgendwie glücklich mit ihrer Situation wären, die sich aufs „Schmarotzen“ eingestellt hätten und das klasse fänden. Sie selbst hat für 7,50 Euro die Stunde geackert, ist dann nach Hause gehetzt, hat mit ihrem Freund abgeklatscht, der direkt zum Bus gerannt ist, um dann die ganze Nacht durchzusingen, damit das nötige Geld für die Familie reinkommt. Und das Ganze ohne Krankenversicherung. Fact. Singt sie auch so. Und das ist ehrlich, das polarisiert, das tut manchmal weh, aber man fühlt, dass sie das verdammt noch mal auch so singen muss. Und denjenigen, die uns mit ihrem Fortschritt-durch-Wachstum-Wahn, ihrem verblendeten Arbeits- und Sparethos, ihrer prüder Schablonen-Pedanterie und leidigen Spießerei das Leben zu ihrer eigenen Hölle auf Erden gleichmachen wollen, zeigt sie schön den Finger: FUCK YOU, du ödes Spießer-Deutschland. Wir wollen so nicht leben, auch wenn das für viele von uns ein Leben in materieller Armut bedeutet.

Maike singt, sie sei ein Hippie, aber sie ist auch eine Rebellin, die für ein alternatives Leben Musik macht und dadurch auch mal unbequem ist. Ja, das alles ist irgendwo schon zugeschnitten auf die Boheme und hat manchmal was vom Berliner Nabelschau-Diskurs und Rechtfertigungslyrik; Maike erhebt aber keinen Universalanspruch, glaube ich. Man muss das alles nicht mögen. Es geht auch nicht um Authentizität. Es geht ums Leben und darum, vielfältiges Leben zuzulassen. Myself +

Und das geht dann doch alle was an.

Maike hat im Gorki-Studio also ein paar Saiten angeschlagen, die direkt durchgeklungen sind. Auch die Lieder von vergangenen Lieben, anderen Leben, die möglich gewesen wären und doch nie waren, nicht sind und nie sein werden – der Zweifel – haben eingeschlagen. Das erlebe ich bei Konzerten selten.

Maikes Album-Release im Gorki-Studio

Mehr Maike?

// Maikes Homepage und das neue Album „Fünf Minuten“: www.maikerosavogel.com

// Maike spielt gerade am Berliner Maxim Gorki-Theater in „Der kleine Bruder“ (nach dem Roman von Sven Regener): www.gorki.de/de_DE/calendar/repertoire/748516

// The Past: Maike mit Konstantin als „The Grand Mirage“, über die ich damals in meiner Zeit beim Zeit-Zuender schrieb.

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