Mais où va le monde

In den vergangenen Wochen habe ich mich mit zwei Menschen aus meinem privaten Umfeld politisch gestritten. Der eine ist Hardcore-Skeptiker der Theorie, dass globale Erwärmung durch Menschen verursacht wird, der andere ein (bislang einmaliger) Multiplikator rechtspopulistischen Inhalts auf Facebook. In beiden Fällen ging es ans Eingemachte, es wurde hart gestritten, die üblichen Argumente ausgetauscht. Es war ok aber nicht schön.

Müssen wir über diese Themen auch noch privat streiten? Gibt ja schon genug Hysterie und Stress jeden Tag in den (sozialen) Medien. Ich könnte problematische Bemerkungen, E-Mails oder Post-Shares auch einfach ignorieren, right?

Ich fürchte, wir müssen uns streiten. Es steht so viel auf dem Spiel.

In beiden Konflikten tat ich mich dennoch schwer, motiviert in die Auseinandersetzung zu gehen. Im privaten Umfeld politisch zu streiten ist schwierig. Ich komme beruflich immer wieder in Kontakt mit Hass, Häme, Wut von rechts und bin gut gerüstet im Umgang damit. Privat jedoch streitet man sich zwar in der Sache, weiß aber um die Möglichkeit, dass die tatsächliche aktuelle Beziehung zum involvierten Menschen dabei ordentlich beschädigt werden könnte. Negative Emotionen und sorgenvolle Gedankenschleifen funken dazwischen, wollen beleuchtet werden und spielen eine eigene, nicht zu unterschätzende Rolle. Ich vermute sogar, dass die Angst vor dem Bruch entscheidend ist für die Zurückhaltung, mit der diese Themen in Familien- und Freundeskreisen oft vorsichtig umschifft, totgeschwiegen und unter den Teppich gekehrt werden. Das ist jetzt keine neue Erkenntnis. Das „Nicht-Über-Gewisse-Dinge-sprechen“ hat gerade in Deutschland leider Tradition. Ich glaube aber, es ist wieder allerhöchste Zeit, sich einen Ruck zu geben und stark zu machen gegen Rechtspopulisten, Klimawandelskeptiker und Verschwörungstheoretiker – und das auch im privaten Umfeld. Man kann das nicht nur an Medien, Politik oder Justiz delegieren („Sei still sonst 110!“).

Die Ergebnisse aus meinen Diskussionen:

Streit 1: Der Dissens im Klimakonflikt konnte nicht gelöst aber befriedet werden. Es gab auf beiden Seiten keinen Spielraum mehr, nachdem alle Argumente ausgetauscht wurden. Was blieb war Frustration. „Lassen wir das. Es führt zu nichts.“ Ich schlug am Schluss dennoch den Deal vor: We agree to disagree. Der kleinstmögliche Nenner, um die Beziehung nicht abbrechen, den Kommunikationskanal offen zu lassen. Auch wenn es enttäuschend war. Hmpf.

Streit 2: Beim Facebook-Share eines rechtspopulistischen Posts (dessen ursprüngliche Form von Matthias Mattusek in die Welt gesetzt und in verschiedenen Variationen vieltausendfach viral ging), gab es ein schöneres Einvernehmen. Nachdem auf Facebook in der Kommentardiskussion keine Lösung zu finden war (there hardly ever is), endete das Ganze auch hier zuerst mit diesem „Du hast mich falsch verstanden. Wir lassen das jetzt“. Ich zog nach diesem letzten Kommentar des Freundes dann auch den Schlussstrich und „entfreundete“ ihn auf Facebook. Kein kleinster gemeinsamer Nenner beim Thema Rechtspopulismus.
Daraufhin kam aber abends seine Nachricht aufs Telefon: Ich ruf dich an, wir müssen reden. Ich war skeptisch. Das Gespräch gestaltete sich jedoch offen und konstruktiv. Er hatte eingesehen, dass sein Post falsch gewesen war und zeigte sich dankbar über den deutlichen Hinweis. Wär hätte das gedacht. Nazis (vorerst) besiegt. Freundschaft (vorerst) gerettet. Ich war erleichtert.

Unglaublich, wie sich heute mit einem Mal die tiefen Gräben auch durch unsere Familien, Freundes- und Bekanntenkreise ziehen. Oder sie waren schon immer da, vielleicht in anderer Gestalt und wir konnten sie ausblenden.

Post-Grunge-Wahrheiten

Zwei Jahre und vier Monate später. Mit Marc und Timon im Internet Explorer. Der ist über einem Automechaniker neben dem gigantisch fehlplatzierten Hotel Estrel in no man’s land Neukölln. Ein Sommerabend, an dem es nicht dunkel wird. Der Laden ist erstmal ziemlich leer, angenehm. Wir freuen uns über das Wiedertreffen, es war ne Weile, das Eine oder Andere wurde zwischenzeitlich erlebt, there are new scars to show. Das Bier fließt flüssig, Villages aus Dresden machen den Auftakt, drei Jungs mit singendem Schlagzeuger. Schöner Post Punk, guter gig, warm applause. Mary Jane schaut vorbei, es wird umgebaut, Apostrophe aus Berlin spielt. Jacob am Bass.

Apostrophe wirft mich zurück, Euphorie explodiert, ich sehe Timon headbangen als wäre es 1999. Grungig punkig, the real shit, um den manche früher ihre Existenzen herumgebaut haben. Klasse Band, thank you very much. Es wird wieder umgebaut, wir helfen, indem wir weiter trinken. Den letzten Gig spielt The Acharis aus Oakland und wir erleben ein bisschen Freiheit. Post-Grunge/ Post-Punk, eine singende, sexy Bassistin, ein singender, sexy Gitarrist, eine Freundin hilft bei den backing vocals, und ich will am liebsten nach Oakland, California segeln und schauen, ob es dort noch mehr von dieser Musik und diesen Menschen gibt, beschränke mich aber aufs Tanzen und glücklich sein. Zwischendurch der Gedanke und das Gespräch, wie wunderbar Kunst sein kann und wie viel Wahrheit hier heute Abend verkündet wurde. Ja, da sind wir schon ein wenig dicht und blau. Das Update aus der USA-Underground-Szene (alive and kicking like hell) will man aber auch nicht stocknüchtern konsumieren. 

Mit dem Fahrrad über leere Berliner Alleen und Straßen so schnell es geht, das fühlt sich gut an.

One of those weird dreams

I had one of those weird dreams last night. One of those strange dreams you only dream when you are not at home. When you’re asleep in your old bed in your old home at your parents’ place where the past is always present.

I was in Berlin, sitting on a hill overlooking the east of the city. I met an old friend of mine there that I haven’t seen for ages. In my dream he was very lost. Lost like someone that has taken too many drugs and experienced too many bad things and can’t adapt to „normal“ life anymore.

We spent some time in his run-down flat lying on his bed smoking cigarettes, talking. We were very young.

Later, he showed me around the house, an occupied 1980s Kreuzberg building. Artists were working in dark studios. There were workbenches all over the place.

It was good to see him again.