Wie jetzt Besonnenheit

„Differenzieren“ sagt Christian Bangel in seinem Kommentar auf ZEIT Online heute. Es ist die Besonnenheit seines Textes, die beeidruckt. Der Anschlag auf Charlie Hebdo spielt hierzulande Pegida und AfD ausgerechnet jetzt in die Hände, die Wut und der Hass wird den Islamfeinden am nächsten Montagabend vermutlich massiven Zulauf verschaffen. Dunkle Zeiten kündigen sich an. „Sind wir stark genug?“ fragt Christian.

Wie kann ich mich seiner Besonnenheit anschließen, wenn Trauer und Wut mich so sehr einspannen, dass ich mich gestern bei so voreiligen Gedanken ertappte wie „Jetzt müssten die Muslime aber wirklich mal dies und jenes tun, usw.“

In den letzten Monaten der Alkhoholabstinenz, des Medienfastens und der Meditation habe ich gelernt, dass Gefühle kommen und gehen. Sie sind nicht „Ich“. Das ist vor allem bei der negativ gepolten Grübelei, zu der ich gelegentlich neige, eine befreiende Erkenntnis. Auch Gefühle wie Wut oder Hass sind unstetig und verändern sich bei genauer Betrachtung, sie lassen nach und gehen wieder. Das achtsame Beobachten dieser kontinuierlichen Veränderung und die Akzeptanz dieses Seins ermöglicht Vergegenwärtigung und damit Besonnenheit und öffnet schließlich Entscheidungs- und Handlungsspielraum.

Wie also Handeln? Ich glaube, ich muss am kommenden Montagabend nach Dresden fahren, um dort Pegida Widerstand zu leisten. Ohne Hass, dafür aber mit der Überzeugung, das Richtige und das Notwendige zu tun.