Proust & Momo in a nutshell

C’s Vater hat mir vor Monaten Prousts Gesamtwerk in zig Bänden geschenkt. Auf französisch. Ganz schöne Batterie auf dem Regal, plus Staub, der nun niemermüd und doch träge auf den Schinken rieselt. Dass Proust aber vielleicht doch frischer sein könnte, als sein bandwurmsätziger Ruf allweil vertrompeten ließ, hatte ich schon lange irgendwo in der mannigfaltigen Großrinde abgehangen. Jetzt lese ich gerade Alain de Bottons „How Proust Can Change Your Life.“ Groß. Damit also angekommen by Proust. Finalement.

À la recherche du temps perdu“„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Allein dieser großartige Titel. Das klingt wie Momo für Erwachsene (obgleich Momo ja für Kinder und Erwachsene ist). Dabei sind sowohl La Recherche als auch Momo im Grunde zeitlos und immer noch — oder vielleicht immer mehr? — aktuell. Wer sucht nicht ständig nach der verlorenen Zeit? Dieses Gefühl der Ungeduld, wenn irgendwas nicht relevant oder gar langweilig ist. Diese ständige Zeitnot. Das Hadern mit dem untoten Vergangenen. Die Oppression der ständigen Zukunft.

Proust und Momo in a nutshell: Wenn wir ständig damit beschäftigt sind, uns in unserer Vergangenheit zu verheddern und/oder in der Zukunft verrennen, dann verlieren wir das einzig Wahre — nämlich diesen Moment.

Question, my dear reader: Macht es überhaupt noch Sinn, sich nach dieser Erkenntnis Prousts solid-goldenen Buddha von Werk einzuverleiben? Oder ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt? Werde einige Jahre/Jahrzehnte darüber nachdenken. If possible.