Cat Attack!

Unsere Katze heißt Sternschnuppe, auch wenn sie eigentlich besser Inferno heißen sollte – wie Marc ganz richtig bemerkt hat.

repileeye

Wir haben ja schon länger eine Katze gesucht, damit die Liebste während ihres Freelancer-Daseins nicht so alleine ist (ich war ja wohlgemerkt einige Monate kommunikativ in der Sklavenabteilung abgemeldet und kam nur zum Schlafen nach Hause). Jedenfalls waren wir zuerst im Tierheim, aber da gab es nur Katzen, die dick und alt oder so aggressiv waren, dass man sie nur mit Handschuhen anfassen durfte. Dann sind wir zum Sandpfoten-Verein nach Neukölln, die in einer 4-Zimmerwohnung an die 35 Katzen beherbergen. Wir wurden freundlich von der Katzenmama empfangen, die uns durch die dunklen Gemächer führte und uns (ein wenig irre) Katzen und Kater vorstellte. Wir fanden auch ein ängstliches Käterchen, dass uns mochte und vice versa und wollten ihn gleich mitnehmen. Aber: Ich sollte eine Art Vertrag unterschreiben, in dem stand, dass die Katzenmutter erstmal die Wohnung inspizieren und später dann gelegentlich mal vorbeikommen würde um nachzuschauen, ob es Angst-Käterchen auch gut gehen würde. Das hatte schon alles ziemlich viel mit Katzen-Psychologie zu tun, und wir hatten schnell das Gefühl, dass wir eher dabei waren, ein Kind zu adoptieren, als eine Katze zu engagieren.

Wir gaben also den Katzenspaß ziemlich frustriert auf, und die Liebste konzentrierte sich aufs Wändeanstarren in der Wohnung, und ich mich auf die untertänige, kriechende Schufterei in der Agentur.

Eines Abends rief uns dann der Freund einer Freundin der Mutter des Cousins des Stiefenkels Kusine Onkel zweiten Grades an, um uns mitzuteilen, dessen Freundes Freundin Frater wäre eine Katze zugelaufen. Wir sind dann hingefahren und haben sie abgeholt. Die hatte dann erstmal lange Zeit keinen Namen, bis eine Freundin der Liebsten auf die fantastische Idee kam, sie „Sternschnuppe“ zu nennen. Eigentlich wollten wir sie ja „Spiderman“ nennen, aber das passte nicht zu der kleinen Dame. Sternschnuppe also. Oder „Sterni“, wie Allround-Berater Marc gewitzt vorschlug.

sternschnuppe

Sternschnuppe machte uns das Leben gleich von Tag 1 an zur Hölle. Sie war läufig und damit unerträglich. Katzen sollte man nur dann sterilisieren, wenn sie gerade nicht läufig sind. Also haben wir gewartet und gewartet. Währendessen miaute Sternschnuppe uns zu Tode. Tag und Nacht, stundenlang „Miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau miau.“

Sie wollte scheinbar nach draußen, um mit den Katern zu spielen. Außerdem pinkelte sie überall hin da hin, wo es ihr gerade genehm war. Warum? Aus Protest, aus Langeweile, aus Spaß aus Zufall – Depressionen? Die Wohnung stank und miaute, wir waren mit den Nerven am Ende. Wir machten tausende Operationstermine beim Vieharzt aus – aber Sterni wurde immer wieder gerade dann wieder läufig, wenn der große Schnipp-Schnapp-Tag anstand.

Am 1. Mai im Jahre des Herrn 2009 begaben sich die Liebste und ich auf das Maifest und kehrten erst gegen 2:30 des Morgens nach Hause zurück. Aus unerfindlichen Gründen öffnete ich den Briefkasten und fand darin eine Benachrichtigung der Polizei: „Wir haben ihre Wohnung um 0:30 betreten. Gruß, Polizei.“ Ich rief auf dem Revier an und fragte wieso. Die sagten mir, sie könnten mir am Telefon nichts sagen. Datenschutz und so. Ich wurde also ziemlich pampig am Telefon, denn wer hat schon gerne den Schutzmann in der Wohnung, gerade wenn man selbst nicht zuhause ist. Der Wachtmeister wurde dann auch ziemlich pampig am Telefon, sodass ich wütend aufs Revier in der Friedensstrasse stampfte, inzwischen war es 3:00.

In der Amtsstube klärte man mich auf, Passanten wären an unserem Haus vorbei geschlendert und hätten im 4. Stock ein Kätzlein auf dem Balkone erblickt, dass herzerbärmlich Berlin anwimmerte (wobei sie zu der Zeit eher bellte). Dazu habe ein Fernsehgerät in voller Lautstärke gedröhnt.

Die Polizei kombinierte also scharf und rief die Feuerwehr. Die rückte an und fuhr die Leiter aus. Heldenhaft bestieg ein Feuerwehrgefreiter die im Maisommersonnenlichte glänzend stählerne Leiter und enterte den Balkon. Er (oder sie oder es) brachte die Katze rein und gaben ihr etwas zu essen und zu trinken, dann fuhren Feuerwehr und Polizei ab um Autos zu löschen, bzw. Linksautonomen die Köpfe einzuschlagen (es war ja schließlich 1. Mai).

sleeping

Was war passiert? Wir hatten die Balkontür offen gelassen und einer der Rentner im gegenüberliegenden Altersheim hatte wohl seine TV-Kiste die Nachbarschaft beplärren lassen. Der Polizist auf der Amtsstube sagte mir noch:
„Sie hatten Glück, dass wir ihre Türe nicht eingeschlagen haben, wa.“

Mittlerweile ist Sternschnuppe sterilisiert und springt wohlauf im Viereck durch unsere Wohnung. Gäste können bestätigen, dass sie gerne mal ausrastet und Menschen anfällt. Ansonsten hat sie sich in ein liebenswürdiges Katzendämchen entwickelt, das Fisch am liebsten mag, Tüten und Taschen liebt, gerne Hauspflanzen, Blumen und Gemüse isst/bepinkelt und eine Berliner Taube auf dem Gewissen hat.

bite

Gepinkelt wird eigentlich nur noch aus Prostest – oder vielleicht gelegentlich ein bisschen aus Langeweile. Sie schaut uns gerne beim Kochen zu und hofft auf ein bisschen Tomate/Gurke/Salat. Fliegen haben ein kurzes Leben in unserer Wohnung, und sie hat mutwillig eine afrikanisch-zierliche Statue der Liebsten zerstört.

Sternschnuppe, wenn Du das liest, wenn wir mal auf Arbeit sind: Auch wenn Du uns gerne mal die kalte Katzenschulter zeigst, uns anknabberst und die ganze Wohnung von Deinem Urin am dampfen ist: Wir lieben Dich auch.

 

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