Be my little U-Bahn Baby

Am Görlitzer Bahnhof stehen seit der Messerstecherei abends die Sicherheitsmänner von der BVG und frieren sich den Arsch ab. Die Dealerjungs lassen sich dadurch nicht vom Tagesgeschäft abhalten und bieten ihre Narkotika den öffentlich Nahverkehrsreisenden weiter offen und und direkt vor den gefrorenen Nasen der Securities an. Morgens um acht steige ich die Steintreppen auf die Plattform hoch und werde von einer imposanten und detailreichen Kotzlache empfangen. Ein paar Meter weiter steht ein riesiger Typ und isst einen Döner. Tief durchatmend gehe ich langsam bis zum Ende der Hochbahn-Platte und wundere mich, wie weit man hier gehen kann, fast schon bis zum Lausitzer Platz. Unten auf der Schlesischen hasten die Menschen in Richtung Arbeit, aus dieser Halbhöhe hat man eine interessente Perspektive auf den Kiez und man kann relativ unbeobachet Menschen anstarren.

In der U-Bahn unterhalten sich angeregt ausschließlich Fremdsprachler — die/der Deutsche an sich spricht nicht in der U-Bahn zu dieser Morgenstund. Die einzigen deutschen Wörter, die ich heute auf dieser knapp 20-minütigen Fahrt vernehme sind: „Guten Morgen, die Fahrscheine bitte.“ Sonst nichts. Das ist aber nicht die kalte, anonyme Stille, die man vielleicht aus der einen oder anderen U-Bahn-Linie oder -Stadt kennt. In der U1 ruht man sich einfach noch einmal ein wenig aus und genießt die Schunkelfahrt, man hat ja noch genug Trubel vor sich. Als die S-Bahn-Führer vor ein paar Monaten streikten, merkte man gleich den Unterschied in der Atmosphäre. Die S-Bahn-Gäste brachten ihren ganzen Frust mit auf die Linie und sagten so seltsame Dinge wie: „Junge Dame, wären Sie bitte so freundlich, das Fenster zu öffnen? Vorzüglich, gnädigsten Dank.“ Und man sah und spürte förmlich die Denkblasen aller anderen, die dachten, was ist denn das jetzt bitte für ein Bullshit hier?

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass ich nun seit bereits geschlagenen sechs einhalb Jahren mit der Berliner U-Bahn fahre und mich nicht beklagen kann. In keiner Weise! Vielen Dank!

PS: Bis auf dass die Tickets zu teuer sind und immer teuerer werden und die Kontolleure ohne jegliche Kulanz walten. Ein Herz für Schwarzfahrer!
PPS: Spielt gerade wieder in München:

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