Amoklauf und Journalismus

 Eine Medienkritik von Sebastian Martin

Es ist wieder passiert. Wieder hat ein ehemaliger Schüler an einer deutschen Schule ein Blutbad angerichtet. Die Motive und Beweggründe des Amokläufers von Winnenden sind dieselben, die schon bei den Vorfällen in Erfurt und Emsdetten zu Tage kamen. Der Täter war depressiv, fühlte sich vereinsamt und forderte mehr Aufmerksamkeit für seine Person. Er war Einzelgänger- so wie viele es sind, die trotzdem nicht zu Gewalt neigen und schon gar nicht zum Amoklauf. Die meisten lernen, damit umzugehen und akzeptieren, dass sie mit ihren Defiziten leben müssen- andere resignieren und denken an Suizid, daran, dem eignen Leben ein Ende zu setzen, ohne dass den Mitmenschen physisches Leid zugefügt würde. Sie gehen im Stillen. Continue reading

Das war gestern. Heute war besser

von Sebastian Martin

Es schneit. Ein Abend im Januar. Dieser eine Tag könnte für ihn der Wichtigste in seinem Leben werden. Um 20 Uhr am Gabelmoo – das hatte er ihr damals vorgeschlagen. Damals, das war am Tag vor Silvester auf Usedom. Er hatte sie nur kurz sehen wollen, war dafür über tausend Kilometer weit mit dem Zug gefahren. Von ganz unten nach ganz oben auf der Deutschlandkarte. Die letzte Chance nicht allein zu sein, sie nicht verlieren zu müssen.. Und, um verdammt noch mal diese Ostseeinsel endlich zu sehen, aus der Phantasie eine Realität werden zu lassen. Sie hatte ihn an Weihnachten verlassen. An Heiligabend.

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