Anonymität und Hass

Ich verfolge die Entwicklungen in einem gewissen Teil der deutschen Blogosphäre seit ein paar Jahren regelmäßig – das sind vor allem Blogs, die über andere Medien berichten bzw. Medienkritik üben. Ich finde das ziemlich spannend, lese aber meistens nur, ohne selbst zu kommentieren.

Mir ist aufgefallen, dass in „relevanten“ Blogs manchmal sehr gut, oft aber sehr bissig und gehässig kommentiert wird. Viele Kommentatoren scheinen anderen deren Erfolg nicht zu gönnen oder nutzen die Anonymität, um sich endlich mal so richtig auszukotzen.

Ich kenne dieses Gefühl, mit einem Kommentar zu einem Artikel den anderen zeigen zu wollen, wie schlau und lustig man ist. Aber das Netz trügt und ich habe es oft bereut, mich in fruchtlosen Diskussionen eingeschaltet zu haben. Man kann sich später ganz schön dafür schämen, irgendeinen Mist gepostet zu haben. Das ist wie bei einem Fußballspiel, in dem man sich im Adrenalinkick mit dem gegnerischen Spieler anlegt und plötzlich wieder zum Kind / Tier wird.

Ich finde ich es erstaunlich, wie viel Arroganz und Hass in manchen Debatten herrscht, wie versucht wird, andere Leute niederzuschreiben. Ist das eine deutsche Eigenschaft oder läuft das in anderen Ländern genauso? Kontroverse Diskussionen sind schon wichtig – und gerade durch verschiedene, sehr gute Fachblogs können gute Blogger direkten Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen nehmen, indem sie konsequent beobachten, kritisieren, kommentieren.

Es erscheint mir gelegentlich schon ziemlich komisch, mich mit meinem Blog oder auf Facebook zur Schau zu stellen und bin deshalb eigentlich eher froh, dass sich dieser Blog in den Untiefen der Irrelevanz bewegt, wenn man ihn mit den Maßstäben des Online-Markts misst. Auch wenn ein Rest von Eitelkeit natürlich schon auf viele Leser geil ist…Davon muss man sich aber lösen, wenn die Selbstdarstellung im Netz nicht zur Farce verkommen soll.

Ich habe nicht vor, auf den „Relevanz“-Zug aufspringen und jedes Thema, dass bei den (deutschen) Topblogs gegeigt wird, mitzufideln (auch wenn dieses Eintragsthema gerade diskutiert wird….) Deswegen habe ich auch gar keine Lust, auf irgendwelche Blog-Beispiele in diesem Eintrag zu verlinken. (Rechts in der Blogroll kann man ungefähr sehen, wo ich im Netz gerne vorbeiklicke).

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1 Thought.

  1. nun, ich versuche mal (wie bei einem fussballspiel) den pass, der da tief in den raum hinein gespielt wurde anzunehmen und gleich wieder zurückzuspielen: sowas liest man schnell, gerne und man geht auch noch mit einem frischen, erweckten gefühl nach hause.

    das finde ich für mich relevant.

    gerade von einem blog kommend, wo ich genau oben beschriebenes szenario erlebt habe (den kommentar, den ich mir dort noch verkneiffen konnte, habe ich hier eingelöst – ohne scham)

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